Christiane Grimm
In der SAP-Welt lief lange alles nach Plan: Es gab klare Datenstrukturen, feste Prozesse und klassische Reporting-Tools. Doch heute steht fest: Das reicht nicht mehr. Mit der SAP Business Data Cloud und der Integration von Databricks öffnet sich ein neues Datenuniversum, das die strukturierte SAP-Welt mit der flexiblen KI-Galaxie verbindet. Im Experteninterview mit Sven Knöpfler erfahren Sie, warum genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um Daten, KI und Analytics neu zu denken.
Sven, du bist jetzt seit über zwanzig Jahren im Consulting tätig und hast in dieser Zeit unzählige SAP-Projekte begleitet – von klassischen On-Premise-Einführungen bis hin zur Transformation zu modernen Cloud-Plattformen. Du hast also hautnah miterlebt, wie sich die SAP-Analytics-Welt verändert hat. Jetzt taucht plötzlich ein neuer Player in diesem Kosmos auf: Databricks.
Bevor wir tiefer einsteigen, hol uns doch kurz ab und erkläre uns: Was ist Databricks?
Gerne! Stellen wir uns Databricks doch als das „Gehirn des Unternehmens” vor. Ein Gehirn kann wahrnehmen, verstehen und antizipieren. Übertragen auf Unternehmen bedeutet das:
- Wahrnehmen: Das bedeutet die Aufnahme aller relevanten Signale, also Daten. Dabei geht es nicht mehr nur um die sauberen, strukturierten Daten aus dem SAP-ERP-System, sondern auch um unstrukturierte Informationen wie E-Mails von Kunden, Bilder, Social-Media-Feeds oder Sensordaten von Maschinen.
- Verstehen: Das Gehirn verarbeitet diese Signale und setzt sie in einen Kontext. An dieser Stelle kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel. Mithilfe klassischer KI und Statistik können wir Muster in strukturierten Daten erkennen. Die neue multimodale Generative AI kann hingegen den Inhalt von Texten, Bildern und Sprache gleichzeitig verstehen und miteinander verknüpfen.
- Antizipieren: Dies ist die höchste Stufe. Auf dieser Grundlage kann das Gehirn Vorhersagen treffen oder Handlungsempfehlungen geben. Für ein Unternehmen bedeutet dies, proaktiv zu handeln, beispielsweise durch präzise Absatzprognosen, Empfehlungen für die nächste Marketingkampagne oder die vorausschauende Wartung einer Maschine, bevor diese ausfällt.
Du hast eben gesagt, Databricks sei das ‚Gehirn des Unternehmens‘ – leistungsfähig, flexibel und KI-getrieben. Was macht es denn konkret anders als klassische SAP-Technologien wie BW oder SAC?“
Databricks ist eine führende, vereinheitlichte Daten- und KI-Plattform, die auf einer sogenannten Lakehouse-Architektur basiert. Dieser Begriff ist entscheidend: Ein Lakehouse kombiniert die Stärken von Data Warehouses (wie SAP BW – hohe Datenqualität, strukturierte Analysen) mit den Vorteilen von Data Lakes (riesige Mengen an beliebigen Daten, Flexibilität, günstigere Speicherung).
Was macht sie so besonders im Vergleich zu klassischen SAP-Technologien wie SAP BW? Hier kommt die Gehirn-Analogie wieder zum Tragen:
Wahrnehmen (Datenaufnahme): Die klassischen SAP-Technologien sind hervorragend darin, strukturierte Daten aus SAP-Quellen zu verarbeiten. Sie sind aber schwerfällig, wenn es um unstrukturierte Daten wie Dokumente, Bilder oder IoT-Streams geht. Databricks ist genau dafür gebaut. Es kann mühelos grosse Mengen an strukturierten und unstrukturierten Daten aufnehmen und verarbeiten. Es erweitert die „Sinne“ deines Unternehmens dramatisch.
Verstehen (Analyse & KI): Während klassische SAP-Technologien primär auf deskriptive Analysen und Reporting (Was ist passiert?) ausgelegt sind, ist Databricks eine vollwertige KI-Werkstatt. Es ermöglicht nicht nur klassisches Machine Learning, sondern ist auch führend im Bereich der Generativen KI. Du kannst hier Modelle trainieren, die den Inhalt einer Schadensmeldung verstehen, ein Produktbild analysieren und dies mit den Bestelldaten aus SAP verknüpfen. Dieses tiefe, multimodale Verständnis ging in der reinen SAP-Welt bisher nicht.
Antizipieren (Vorhersagen): Weil Databricks alle Daten an einem Ort hat und sie mit modernster KI verstehen kann, sind die Vorhersagen und Empfehlungen, die es generiert, wesentlich leistungsfähiger. Es geht nicht mehr nur um eine simple Trendextrapolation der Verkaufszahlen. Es geht darum, komplexe Szenarien zu simulieren und proaktive Handlungsempfehlungen zu geben – eine zentrale Fähigkeit für ein intelligentes Unternehmen.
Beeindruckend! – gerade im Hinblick auf KI und Datenvielfalt.
Aber wie genau fügt es sich in die SAP-Welt ein?
Ist das eher eine Ergänzung zur BDC, eine technische Integration – oder sprechen wir hier sogar von einem völlig neuen Umgang mit Daten?
Aus der strategischen Partnerschaft zwischen SAP und Databricks geht «SAP Databricks» hervor: eine OEM-Lösung, die fester Bestandteil der SAP Business Data Cloud ist.
SAP Databricks erfüllt mehrere Rollen:
- Ergänzung: SAP Databricks ergänzt die Stärken der BDC. Die BDC bleibt das führende System, um SAP-Daten mit ihrer gesamten Semantik für analytische Zwecke zur Verfügung zu stellen. SAP Databricks fügt Big-Data- und KI-Fähigkeiten hinzu, die SAP nativ vorher nicht in dieser Tiefe besass.
- Integration: Die Partnerschaft sorgt für eine tiefe technische Integration. Daten müssen nicht mehr in aufwendigen, nächtlichen Prozessen kopiert werden. Du kannst mit SAP Databricks direkt und performant auf SAP-Daten zugreifen und sie mit Nicht-SAP-Daten kombinieren. Das beschleunigt Projekte von Monaten auf Wochen.
- Neue Denkweise: Das ist der wichtigste Punkt. Wir lösen Geschäftsprobleme, indem wir die besten Daten nutzen, nicht nur die am einfachsten zugänglichen. Nur wer das gesamte Bild kennt, kann fundierte und zukunftsweisende Entscheidungen treffen.
Neue Denkweise, tiefere Integration, strategische Partnerschaft – man spürt: Da bewegt sich gerade etwas Grundlegendes.
Lange Zeit waren SAP-Daten fast ausschliesslich in ihrer eigenen Welt unterwegs – jetzt öffnen sich plötzlich neue Türen. Warum ist genau jetzt der richtige Moment, um SAP-Daten auch ausserhalb dieser gewohnten Landschaft zu denken, zum Beispiel in einer Plattform wie Databricks?
Der Zeitpunkt ist kein Zufall, sondern das Zusammentreffen mehrerer Megatrends:
- Die KI-Revolution: Vor allem Generative AI hat die Erwartungen an das, was mit Daten möglich ist, fundamental verändert. Unternehmen erkennen, dass es ein enormer Mehrwert darstellt, wenn man die wertvollen SAP-Prozessdaten mit der Aussenwelt (Dokumente, Bild, Markt-Daten) verbindet. SAP Databricks ist die Plattform, die genau das ermöglicht.
- Datenexplosion: Die schiere Menge und Vielfalt an Daten (IoT, Social Media, etc.) überfordert traditionelle Architekturen. Ein SAP BW ist nicht für die Verarbeitung von Terabytes an Sensordaten in Echtzeit gebaut. Der Druck, all diese Daten zu nutzen, steigt.
- Dringender Bedarf an Agilität: Die Kombination von SAP und Databricks ermöglicht es, in kürzester Zeit neue Anwendungsfälle umzusetzen und auf Veränderungen zu reagieren. Die Cloud-Architektur macht es möglich, schnell zu skalieren – nach oben und nach unten.
- Strategische Öffnung von SAP: Anstatt zu versuchen, alles selbst zu bauen, setzt SAP auf strategische Partnerschaften mit den „Best-of-Breed“-Anbietern in ausgewählten Bereichen. Die Partnerschaft mit Databricks ist nicht das einzige, aber sicher das prominenteste Beispiel für diese Öffnungsstrategie.
Du hast beschrieben, wie SAP und Databricks sich strategisch ergänzen und welche Denkweise dahintersteht. Das klingt vielversprechend – aber was heisst das im praktischen Alltag von IT und Datenarchitektur?
Was wird technisch plötzlich möglich, was vorher in typischen SAP-Architekturen kaum denkbar war?
Technisch werden Dinge möglich, die vorher extrem komplex oder schlicht unmöglich waren:
Advanced Analytics auf Echtzeit-Daten: Stell dir vor, du könntest eine KI-Analyse zur Vorhersage von Lieferkettenengpässen direkt auf den Logistikdaten deines S/4HANA-Systems laufen lassen und diese in Echtzeit mit externen Daten wie Wettervorhersagen, Schiffs-Trackern oder Nachrichten-Feeds anreichern. Früher hättest du dafür Daten mühsam extrahieren und konsolidieren müssen, was immer einen zeitlichen Verzug zur Folge hatte. Heute geht in Echtzeit auf einer integrierten Plattform.
Agentic AI-Anwendungsfälle: Ein Kunde schickt per E-Mail eine Reklamation mit einem Foto eines beschädigten Produkts. Eine GenAI-Anwendung in Databricks kann den Text der E-Mail (Sentiment, Problembeschreibung) und das Bild (Art des Schadens) analysieren, dies mit den Stammdaten des Kunden und des Produkts aus SAP abgleichen und automatisch einen Serviceauftrag in SAP anlegen, den richtigen Techniker vorschlagen und das passende Ersatzteil reservieren. Das ist End-to-End-Automatisierung, die Silos überwindet.
Skalierbare End-to-End Machine Learning Operations: Bisher war die Entwicklung von KI-Modellen im SAP-Umfeld ein Flickenteppich aus verschiedenen Tools für Datenextraktion, Modelltraining und Inbetriebnahme. Mit SAP Databricks in der SAP BDC hast du eine integrierte Plattform, um den gesamten Lebenszyklus eines KI-Modells zu verwalten – von der Datenaufbereitung über das Training bis zur produktiven Überwachung. Das bringt eine Professionalität und Geschwindigkeit in den Prozess, die vorher so nicht möglich war.
Das zeigt, wie tiefgreifend sich die technologische Basis verändert hat. Wenn du jetzt persönlich draufblickst: Gibt’s einen bestimmten Aspekt oder Use Case, der dich selbst besonders begeistert – vielleicht sogar ein kleiner „Nerd-Moment“?
Was mich persönlich am meisten reizt, sind die Möglichkeiten, die durch die Kombination von GenAI, Agentic AI und dem SAP Datasphere Knowledge Graph entstehen werden. Damit wird das gesamte Unternehmenswissen – strukturierte SAP-Daten und unstrukturierte Informationen wie Bilder oder Texte – intelligent vernetzt und mit Business-Kontext ausgestattet.
Stell dir einen KI-Agenten vor, der nicht nur Probleme erkennt, sondern sofort die gesamten betrieblichen Auswirkungen versteht. Er informiert autonom alle betroffenen Stakeholder und handelt in Abstimmung mit dem Menschen, um die Herausforderungen End-to-End zu lösen.
Die historische Aufgabe der IT war es schon immer, Prozesse zu automatisieren. Für mich ist das der nächste logische Evolutionsschritt. Und die analytische Datenarchitektur spielt hierbei eine zentrale Rolle.
Klar ist: Die Möglichkeiten sind riesig – aber genau das macht es nicht unbedingt einfacher, den ersten Schritt zu machen. Gerade für viele, die tief in der SAP-Welt verankert sind, stellt sich die Frage, wie man sich diesem Wandel überhaupt sinnvoll nähert.
Was würdest du jemandem raten, der in der SAP-Welt unterwegs ist und merkt: „Da passiert gerade was mit Daten – aber ich weiss nicht, wo ich anfangen soll“?
Mein Rat besteht aus drei einfachen Schritten:
Starte beim Geschäftsproblem, nicht bei der Technologie. Frag: „Welches ist unser dringendstes Geschäftsproblem, das wir mit unseren heutigen analytischen Werkzeugen nicht lösen können?“ Ist es die hohe Kundenabwanderung? Sind es die ungenauen Absatzprognosen? Ist es die ineffiziente Lagerhaltung?
Denk gross, aber fang klein an. Beginne mit einem kleinen, überschaubaren Anwendungsfall. Reichere zum Beispiel deine SAP-Vertriebsdaten mit externen Marktdaten an, um die Prognose für ein einziges Produkt zu verbessern. So erzeugst du schnell einen sichtbaren Erfolg, lernst die Technologie kennen und schaffst Akzeptanz im Unternehmen.
Bau Brücken. Hol die SAP-Experten, die Fachabteilungen und die Data Scientists an einen Tisch. Die wirkliche Magie entsteht nicht in den technologischen Silos, sondern an der Schnittstelle zwischen Prozesswissen und Datenwissen. Investiere in die Weiterbildung deiner Mitarbeiter, damit sie die neuen Möglichkeiten verstehen und die richtigen Fragen stellen können.
Wer jetzt neugierig geworden ist, fragt sich vielleicht: „Wie kann ich da noch tiefer einsteigen?“ Zum Glück gibt’s bald genau die richtige Gelegenheit dazu – und du bist ja sogar selbst als Speaker bei unserer Analytics Online Konferenz 2025 dabei! Zum Abschluss: Was erwartet uns bei der Analytics Online Konferenz 2025 – und warum sollte man sie auf keinen Fall verpassen?
Diese Konferenz ist der perfekte Ort für jeden, der an der Weggabelung zwischen der traditionellen SAP-Welt und der neuen Daten- und KI-Welt steht. Die Integration von SAP und modernen Datenplattformen wie Databricks ist kein vorübergehender Trend. Hybride Architekturen sind die Zukunft der Unternehmens-IT. Diese Konferenz ist die beste Gelegenheit, dich in kurzer Zeit auf den neuesten Stand zu bringen, die richtigen Fragen zu stellen und dich mit Gleichgesinnten und Experten zu vernetzen. Es ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit deines Unternehmens.
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