Reporting der Zukunft –
SAP Analytics Cloud (SAC) vs. PowerBI (Teil 2)

Wie bereits in unserem April-Blog dargelegt: Zusätzlich zum Standard-Reporting verlangen Kunden verstärkt auch Self-Service-BI – und damit eine Plattform, mit der Endanwender selbst Business-Intelligence-Berichte erstellen sowie darauf zugreifen können.

Diesbezüglich existieren verschiedene Herstellerlösungen auf dem Markt. Um solche Lösungen besser einordnen zu können, empfehlen sich aussagekräftige Studien von Marktanalysten, die die jeweiligen Anbieter entsprechend einschätzen.

Beispielsweise zeichnet der BARC-Bericht vom 24. Juni 2019 die SAP Analytics Cloud (SAC) als klaren Marktführer aus und platziert SAP bei der Marktausführung am höchsten – im Vergleich zu 19 anderen Wettbewerbern. Der Bericht bewertet moderne Enterprise-BI- und Analytics-Plattformen nach diversen Kriterien. Hierbei besteht der zentrale Aspekt darin, ob die begutachteten Plattformen neben einem umfassenden Toolset auch die Fähigkeit zur Skalierung über eine Vielzahl von Branchen bzw. Anwendungsfällen aufweisen. Die SAP Analytics Cloud (SAC) erfüllt diese Anforderungen optimal und erzielt über alle BARC-Berichtskriterien hinweg sehr gute Ergebnisse.

Ergänzend zur Marktsicht ist es aber auch sehr wichtig, die jeweiligen Bedingungen und Anforderungen auf die eigene Situation zu übertragen: Die verschiedenen Möglichkeiten sollten präzise überprüft werden, um für die Gesamtorganisation eine fundierte Entscheidung zu treffen. Aktuelle Anfragen drehen sich vor allem um einen Vergleich zwischen den Funktionen von SAC und Microsoft PowerBI.

Microsoft PowerBI (primär basierend auf MS Office bzw. den inkludierten Funktionen von MS Office 365) ist eine Self-Service-BI-Lösung, die häufig aus den einzelnen Fachbereichen angefragt wird. Die SAC wird dagegen meist eher aus der IT aufgerufen.

Mittels praktischer Evaluierungsprojekte hat s-peers einen aussagekräftigen Vergleich zwischen Microsoft PowerBI und SAP Analytics Cloud (SAC) durchgeführt – der folgende Bericht konzentriert sich daher auf diese beiden Produkte. Ein Schwerpunkt der Evaluierung bestand darin, eine funktionalen Verprobung mit einem Systemumfeld im SAP-Backend (vor allem SAP-BW-Datenquellen) durchzuführen. Das Systemumfeld umfasste im erweiterten Sinne auch die Analytics Engine von SAP-ERP-Systemen (ECC 6.0 oder S/4 HANA).

Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Ergebnisse unserer vergleichenden Evaluierung für Sie zusammen.

Microsoft PowerBI (PowerBI) und die SAP Analytics Cloud (SAC) bieten jeweils die Funktion, Infrastruktur und Sicherheit von On-Premise-Daten mit Cloud-Daten zu kombinieren. Dabei existieren grundsätzlich zwei verschiedene Arten der Konnektivität:

Live-Verbindung:

Bei der Live-Verbindung werden Modelle aus Datenquellen von On-Premise- oder Cloud-Systemen erstellt. Darauf basierend erfolgt dann das Aufsetzen sogenannter Stories und Berichte. Online-Analysen erfolgen ohne Datenreplikation – d. h. es findet keine Datenverschiebung in die Cloud statt. Dies gilt gleichsam für PowerBI und die SAC.

Daten-Import:

Bei dieser Verbindungsart werden die Daten aus den jeweiligen Quellsystemen in die jeweilige Lösung importiert (sprich: geladen). Von dort aus können die eingespielten Daten für die Durchführung analytischer Prozesse genutzt werden. Bei der SAP Analytics Cloud werden die Daten in die SAC-eigene In-Memory-Datenbank (SAP HANA) importiert bzw. kopiert. Bei Microsoft erfolgt der Import in die eigene SQL-Datenbank von PowerBI.

Im Rahmen unserer Evaluierung wurden die jeweiligen Datenverbindungen für die Systeme SAP BW, SAP HANA, Excel/CSV und Oracle-Datenbank verprobt.

Dabei wurde festgestellt:

  • Bei einer BW-Live-Connection (BW Live) in einer Power-BI-Story kann nur eine einzige Verbindung genutzt werden. Zusätzliche Konnektivität ist nicht möglich.
  • Bei BW Live ist nur eine einzige Query nutzbar – danach können keine weiteren BW-Queries in dieselbe Power-BI-Story eingebaut werden.
  • Innerhalb der SAP Analytics Cloud (SAC) lassen sich Nicht-SAP-Datenbanken nur über BO-Universen live oder eine Drittanbieter-Software (APOS Live Data Gateway) anbinden.

Zwecks Vorbereitung für die jeweiligen Analysen werden grosse Datenmengen im Rahmen der Modellierung „verbessert“. Die Bearbeitung zur Qualitätssteigerung umfasst generell:

  • Definition von Kategorien
  • Definition hierarchischer Beziehungen und Erweiterung um diese Hierarchien
  • Definition/Modellierung von Kennzahlen und Dimensionen
  • Definition von Einheiten und Währungen
  • Erstellen und Hinzufügen eigener Formeln
  • Data-Wrangling (Aufbereitung bzw. Bereinigung von Rohdaten)

Diesbezüglich wurden alle gängigen Funktionen (Union, Join, Hierarchien, Advanced Calculations, Smart Grouping, Value Formatting) bei unserer Evaluierung von PowerBI und SAC als Anforderungen überprüft. Ergebnis:

Insbesondere beim Gruppieren von gegenüberzustellenden Werten sind die Power-BI-Funktionen stärker ausgereift. Bei Datenaufbereitung und Berechnung mittels SAP BW Live weisen die in PowerBI bereitgestellten Zahlen jedoch deutliche Lücken auf:

  • Lokale Berechnungen wirken sich nicht auf die bereitgestellten Zahlen aus; dadurch wird eine erstellte, kumulierte Aggregation einer BEx-Abfrage missachtet. PowerBI verwendet hier lediglich die Basiszahlen. Aufgrund falschen Zahlenmaterials könnte das Ergebnis der kumulierten Abfrage daher eventuell fehlerhaft interpretiert werden.
  • Fehlerhaft ist eine Aggregation auch beim Umgang mit unterschiedlichen Währungen bzw. Masseinheiten: Diese werden von PowerBI nicht übernommen. So werden z. B. Werte aus USD, EUR und CHF unspezifiziert addiert, aggregiert und ausgewiesen – ohne Hinweis, dass es sich um verschiedene Währungen handelt.
  • Die Anwendung von Hierarchien ist ebenfalls schwierig: PowerBI kann pro Dimension nur eine Hierarchie verarbeiten. Zudem lassen sich weder zeitabhängige Hierarchien noch Hierarchien mehrerer Versionen verwenden. Bei der SAP Analytics Cloud (SAC) hingegen können mehrere Hierarchien pro Merkmal vorhanden sein und von Usern individuell ausgewählt werden.
  • Nachteilig bei PowerBI ist ausserdem die fehlende Verwendung von Textvariablen: Beim Einsatz des Microsoft-Produkts muss komplett auf diese Funktion verzichtet werden. Im Gegensatz hierzu präsentiert SAP BW den Anwendern veränderbare Vorschlagswerte (z. B. häufig genutzte Kalenderjahre).
  • Darüber hinaus lassen sich definierte Sortierreihenfolgen (nach Text oder Schlüssel) nicht aus SAP in PowerBI übernehmen – sodass z. B. beim Anzeigen von Kalendermonaten die Ausgabe „April“ oder „Aug“ lautet. Zudem ist die Sortierung nicht nachträglich anpassbar.
  • Parallel fehlen PowerBI andere wichtige Features wie Währungskonvertierung oder numerische Formatierung. Auch die unzureichende Skalierbarkeit senkt weiter die nötige Bedienfreundlichkeit und damit die Eignung für das Standard-Reporting.

Als Self-Service-Lösungen bieten PowerBI wie SAC jeweils gute Voraussetzungen, um anschauliche, ansprechende und aussagekräftige Stories aus Daten zu generieren. Charts (Vergleich, Verteilung, Composition, Performance) werden jeweils in den verschiedensten Ausprägungen unterstützt – ebenso numerische Visualisierungen wie KPIs oder Tag Cloud.

Bezüglich besonderer Ausprägungen wie Geo-Darstellungen überwiegt die SAC z. B. bei ESRI Charts, PowerBI im GEO JSON Support. Somit ist stets genau zu betrachten, was bereits verwendet wird bzw. zukünftig genutzt werden soll. Insbesondere die Visualisierungstypen Heat Map Layer, Symbol Maps und Flow Map werden von der SAC sehr gut bedient. Mit PowerBI lassen sich diese Chart-Typen dagegen nicht umsetzen.

Auch das vorteilhafte Notationskonzept IBCS® steht nur in der SAC bereits integriert zur Verfügung – nicht aber in PowerBI. Ein definitiv elementarer Faktor gerade bezüglich Self-Service-BI: Bei verschiedenen grafischen Darstellungsmöglichkeiten muss mögliche Willkür maximal unterbunden werden. Denn nur effizient standardisierte Visualisierung gewährleistet eine möglichst hohe Aussagekraft und damit eine bessere Entscheidungsfindung.

Trotz allem Ruf nach Self-Service-BI: Viele obligatorische BI-Anwendungsfälle werden immer komplexer. Parallel benötigen Organisationen einen individuelleren und flexibleren Workflow, um ihre Anforderungen zu erfüllen. So bestand eine Aufgabenstellung im Rahmen unserer Evaluierung auch darin, komplexe Dashboards mittels Scripting sehr individualisiert erstellen zu können.

Beim Vergleich der beiden Front-End-Lösungen wurden die entsprechenden Funktionen mit dem Application Designer der SAC geprüft. Dieser erwies sich als sehr gelungen, obwohl sein Funktionsumfang bislang nicht komplett an den LUMIRA Desinger heranreicht. Jedoch ist eine entsprechende Weiterentwicklung des SAC Application Designers relativ zeitnah zu erwarten.

Als sehr interessant zeigte sich die SAC bei unserer Evaluierung auch bezüglich der stringenten Verfolgung des sogenannten „Closed Loop“:

Hierbei gibt es innerhalb der SAC-OData neben Möglichkeiten zum Aufruf im Transaktionssystem auch die Option der programmatischen Zugriffe. So können Anwender z. B. direkt aus einem SAC-Bericht eine Vertriebsaktivität im SAP-CRM-System generieren oder eine Bestellung in SAP Ariba anstossen. Kurz gesagt: Berichtsempfänger sind in der Lage, proaktiv Interaktionen im operativen System durchzuführen – zusätzlich erweitert um die integrierten SAC-Funktionalitäten für Planung, Analyse und Vorhersage.

Die Repräsentation aller dieser Funktionen in einer einheitlichen analytischen Plattform ist ein absolutes Differenzierungsmerkmal. Das bestätigt auch der Magic Quadrant von Gartner, der SAP aktuell als einen von nur zwei Anbietern  mit einem solchen Produkt nennt. Microsoft PowerBI hingegen wird derzeit als reine Self-Service-Lösung angeboten.

Zusammenfassend lässt sich aussagen: Für das direkte Reporting auf SAP-Systemen ist die SAP Analytics Cloud (SAC) im Vergleich zu Microsoft PowerBI das bessere Produkt – insbesondere bezüglich Integration und Funktionsumfang ist sie PowerBI in diesem Umfeld überlegen.

Unsere Expertise:

Wir unterstützen Sie kompetent dabei, das Potenzial Ihrer Technologie beim Reporting möglichst effizient zu erweitern und auszuschöpfen. Sie wünschen weitere Informationen zu unserem evaluierenden Vergleich zwischen Microsoft PowerBI und SAP Analytics Cloud (SAC)? Gerne erläutern wir Ihnen die daraus gewonnenen Erkenntnisse auch jederzeit persönlich.
Nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf!