Endlich das können, was die Formel 1 schon lange kann

Bereits Mitte der 1980er-Jahre entwickelten Williams und Lotus im Rahmen der Formel 1 die aktive Radaufhängung. Seitdem ist das Thema „Sensortechnik“ bzw. „Telemetrie“ aus dem professionellen Motorsport nicht mehr wegzudenken:

Bei diesem technologischen Konzept werden alle fahrdynamischen Informationen mittels Sensoren gesammelt. Nach Datenübertragung und -auswertung lässt sich das Fahrwerk dann per Hydrauliksystem präzise an die jeweiligen Erfordernisse anpassen.

Hierzu müssen grosse Datenmengen lückenlos und schnell in Datenbanksystemen gespeichert werden. Parallel sind zuverlässige Schnittstellen zwischen der Datenbank und den Spezialprogrammen der F1-Teams zu gewährleisten – teils werden auch noch weitergehende Informationen (z. B. Wetterdaten) mit eingespeist. Für die F1-Renningenieure ist es essenziell, parallel auf eine grosse Anzahl von Parametern und Messungen zugreifen zu können.

Zudem sind die von den Sensoren erfassten Messwerte simultan in mehrere Datenbanken zu schreiben. Gleichzeitig müssen Analysesysteme auf diese Datenbanken zugreifen und die Werte gemeinsam auf einer zentralen Benutzeroberfläche darstellen.

Insbesondere in der Königsklasse des Motorsports sind Millisekunden entscheidend – was die individuellen Teamkonzepte bzw. -optionen bezüglich Verarbeitung und Auswertung von Daten höchst erfolgsrelevant macht.

Dennoch greifen die F1-Teams neben der Strecke nach wie vor sehr unterschiedlich auf die Informationen zurück. Hinzu kommt, dass die entsprechenden Prozesse und Auslegungen auch stets an die Gegebenheiten der jeweiligen Rennstrecke gebunden sind: Eine gute Abdeckung per Funk ist nicht immer und überall garantiert. So verlief z. B. der Kurs am Hockenheimring früher bei Höchstgeschwindigkeit über mehrere Kilometer durch ein Waldgebiet.

In puncto Telemetrie wird die Kombination aus Übertragung, Datenmenge und Frequenzen somit zum elementaren Faktor, dessen Einplanung beim Auslegen der individuellen Rennstrategie heute obligatorisch ist.

Das aktuelle F1-Reglement erlaubt lediglich die Datenübertragung vom Fahrzeug zur Box. Allerdings dürfen Warnsignale an das Lenkrad des Fahrers gesendet werden. Ebenso regelkonform ist Sprechfunk in beiden Richtungen.

Nach jedem F1-Rennen werden alle gesammelten Daten ausgelesen und zusammengeführt. Computerberechnete Simulationen ermöglichen anschliessend gezielte Tests und Optimierungen (z. B. von Reifendruck oder Aufhängung). Dank direkter Weiterleitung der Ergebnisse können die Teamingenieure dann alle getesteten Modifikationen schnellstmöglich, vollumfänglich und optimal präzise am Fahrzeug umsetzen.

In den 1980er- und 1990er-Jahren standen diese Technologien für die Highend-Spitze der Entwicklung, während eine Anwendung auf dem Gebiet herkömmlicher Fahrzeuge noch als unrealistisch galt. Doch Innovationen aus der Formel 1 haben inzwischen längst Einzug in die Automobilindustrie gehalten – von digital gesteuerten Anzeigen und Signalhinweisen im Armaturenbrett bis hin zur absoluten Revolution in Form des selbstfahrenden Autos.

Nun möchte ich Sie dazu animieren, die Grundzüge dieser kurzen Story aus der Welt der Formel 1 auf Prozeduren und Potenziale im Rahmen Ihrer unternehmerischen Analytics-Strategie zu übertragen. Denn hierbei offenbaren sich diverse erfolgsrelevante Gemeinsamkeiten:

  • Zahlreiche Informationen
  • Nutzung von Datenbanken
  • Schnittstellen zu unterschiedlichen Datenquellen
  • Lückenlose Fortschreibung von Daten
  • Unterschiedliche Prozesse
  • Unterschiedliche technologische Optionen
  • Unterschiedliche Zielgruppen
  • Forderung nach einer einheitlichen Sicht auf Daten
  • Regulatorische Vorgaben und Richtlinien (z. B. gesetzliche Datenschutzbestimmungen)
  • Erzielen von Optimierungen und Wertsteigerungen durch technologische Möglichkeiten zur Abbildung von Szenarien
  • Anforderung des Erkenntnisgewinns in operativen Prozessen

 

Angesichts dessen wird deutlich: Innovative Technologien können nun nicht mehr nur exklusiv von wenigen grossen Konzernen bzw. Branchen genutzt werden, sondern von allen Unternehmen – wobei der gezielte und effiziente Einsatz jeweils einen klaren Wettbewerbsvorteil bedeutet.

 

In diesem Kontext möchte ich gern folgende offene Frage stellen:

Werden die Entwicklungen und Möglichkeiten in diesem Bereich ernst genug genommen – oder lediglich als vorübergehende Erscheinung betrachtet?

 

Wir freuen uns, persönlich mit Ihnen darüber zu sprechen.

Autorin: Nikola Neig