//Per In-Place-Konvertierung zu BW/4HANA – Wunsch und Wirklichkeit

Per In-Place-Konvertierung zu BW/4HANA – Wunsch und Wirklichkeit 

Mit dem neuen Produkt BW/4HANA hat SAP einen logischenaber nicht rechtlichen Nachfolger von NetWeaver BW (on oder nicht on HANA) gelauncht – verbunden mit der Ankündigung, zukünftige Innovationen nur noch dort zu konzentrieren. Bereits verfügbare Beispiele in diesem Kontext: 

  • DTO (Data Tiering Optimization)

  • Die neuen Eclipse-basierten Modellierungstools für Transformationen und DTPs 

  • Das webbasierte BW/4HANA Cockpit, mit dem u. a. Prozessketten modelliert und überwacht werden können 

Zudem wird voraussichtlich der Support für die anderen BW-Varianten (on oder ohne HANA) spätestens 2024 ablaufen. SAP-BW-Kunden sollten sich somit schon jetzt Gedanken über ihren zukünftigen Weg in Richtung BW/4HANA machen. 

Im Gegensatz zum BW on HANA erlaubt bzw. unterstützt BW/4HANA nur noch „neue“ BW-Objekte. So bleiben von bislang ca. 140 BW-Objekten (BW on HANA) noch rund 60 (BW/4HANA) übrig: Beispielsweise sind statt InfoCubes und DSOs nur noch „ADSOs“ als persistente InfoProvider möglich. Parallel werden im Reporting z. B. MultiProvider und InfoSets durch Composite-Provider ersetzt. Diese Reduzierung der Objekte vereinfacht die Modellierung. Bestehende Objekte, die nicht mehr unterstützt werden, müssen dafür jedoch vor einem Umstieg auf BW/4HANA entsprechend in unterstützte Objekte migriert werden. 

SAP propagiert für einen solchen Umstieg auf BW/4HANA vier mögliche Ansätze. Bei dreien davon wird jeweils ein neues BW/4HANA-System aufgebaut – entweder „manuell“ oder unterstützt durch SAP-Tools: 

Kompletter Neuaufbau eines SAP BW/4HANA-Systems 

Dieser Ansatz überträgt ausgewählte Szenarien/Datenmodelle vom bisherigen BW-System (auf einer beliebigen Datenbank) in ein neues SAP BW/4HANA-System. Beim Import in SAP BW/4HANA findet hier eine Konvertierung in die neuen Objekte statt. Anschliessend werden auch noch die Daten inkl. „BW-Metadaten“ per SLT übertragen. 

Einerseits bringt dies den Vorteil mit sich, dass das bisherige System nicht verändert wird. Andererseits müssen zwei Systeme eine Zeit lang parallel betrieben werden. Dadurch entsteht ein entsprechender Zusatzaufwand – potenziell auch, weil das neue System dann zwangsläufig eine andere System-ID erhält als das bestehende BW und diverse Verbindungen angepasst bzw. neu angelegt werden müssen. Bislang befindet sich die Remote Conversion allerdings noch in der Ramp-Up-Phase. So lässt sich aktuell noch nicht endgültig sagen, wie sie sich im Detail verhalten wird.  

Hierbei handelt es sich um eine Art Remote Conversion ohne Datenübertragung bzw. um eine Option mit „Konvertierung beim Transport“. Im Gegensatz zur Remote Conversion steht die Shell Conversion bereits zur Verfügung – auch wenn dabei zukünftig noch Erweiterungen und Verbesserungen anstehen. 

Die Begleitaspekte einer Systemkonvertierung per Remote Conversion gelten auch für die Shell Conversion. Bei dieser kommt die fehlende Datenübertragung jedoch noch als grösstes Problempotenzial hinzu. Wenn keine Datenübertragung benötigt wird, ist die Shell Conversion aber sicher eine Überlegung wert. 

Als vierten und alternativen Ansatz präsentiert SAP die sogenannte In-Place Conversion: 

Das bisherige SAP BW 7.x auf der relationalen Datenbank wird hierbei auf BW 7.5 (mit möglichst aktuellem SP) geupdatet. Zudem erfolgt – falls nicht bereits geschehen – eine Ersetzung der relationalen DB durch SAP HANA. Im Anschluss werden sinnvollerweise nur noch HANA-optimierte Objekte (z. B. ADSOs, Composite Provider) für neue Datenflüsse verwendet. Alle bestehenden Datenflüsse aus der Zeit vor dem Umstieg müssen ebenfalls noch migriert werden (inkl. aller alten Objekte wie DSOs, Cubes, Multi Provider oder InfoSets, aber ggf. auch 3.x-Datenflüsse). Dies schafft die Voraussetzung dafür, dass dann im letzten Schritt auf BW/4HANA gewechselt werden kann. Zur Umsetzung gibt es seit BW 7.5 SP05+ mit installiertem BW/4HANA Starter Add-On die sogenannten BW/4HANA Conversion Tools, auf die sich dieser Beitrag im Folgenden konzentriert. 

BW/4HANA Conversion Tools 

Mit diesen Tools lassen sich ganze Datenflüsse relativ unkompliziert auf neue Objekte konvertieren – von der DataSource bis ins Reporting hinein. Die Daten und die bisherigen technischen Namen bleiben dabei jeweils erhalten. Klingt zu gut, um wahr zu sein? 

Eine Einschränkung muss in der Tat gleich gemacht werden: Eine komplett vollautomatische Lösung ist meist nicht möglich. Denn manche Objekte verursachen potenziell Probleme und müssen daher erst vorab identifiziert sowie entsprechend manuell behandelt werden. Der Report RS_B4HANA_CONVERSION_CONTROL kann hierbei unterstützen. Dennoch ist es erforderlich, weitere Stolperstellen von Hand zu suchen und zu überprüfen. 

Weitere grundsätzliche Erkenntnisse zum Einsatz der BW/4HANA Conversion Tools:

1. Das BW/4HANA Starter Add-On kann im Normalfall von der SAP-Basis relativ schnell und einfach installiert werden. 

2. Da es sich um ein ziemlich neues Tool handelt, sind noch diverse Aktualisierungen und Erweiterungen zu erwarten. Somit muss damit gerechnet werden, dass noch nicht alles perfekt funktioniert. 

3. Die Konvertierung selbst wird auf jedem System (Entwicklung, Test, Produktion) separat ausgeführt, nicht einfach auf dem Transportweg übertragen. Entsprechend muss auf jedem System die Berechtigung für Änderungen vorhanden sein. Speziell beim produktiven System kann dies ein Problem darstellen. Hier ist sehr klar zu definieren, wann, von wem und wie die Konvertierung ausgeführt werden darf, um Risiken möglichst gering zu halten.

4. lm Zusammenhang mit „normalen“ Transporten ist auch bei der Konvertierung auf die Überholer-Problematik zu achten: Folgetransporte mit bereits konvertierten Objekten dürfen grundsätzlich erst dann importiert werden, wenn die Objekte im Zielsystem ebenfalls konvertiert wurden. 

Erkenntnisse im Detail sind unter anderem:

1. Bei der Konvertierung von MultiProvider in Composite Provider finden sich die meisten Stolpersteine in Form von Navi-Attributen, die nicht HCPR-konform assoziiert sind (also z. B. zusätzlich aus Merkmalen oder nur aus einigen Teil-Providern). Diese können/sollten vorab identifiziert und adäquat korrigiert werden. Der Aufwand lohnt sich jedoch: Bei der Konvertierung bleiben sowohl die technischen Namen als auch die SIDs der Queries erhalten. Alle Skripts in Lumira/Design Studio und auch Makros in BEx-/AO-Arbeitsmappen funktionieren somit ohne aufwendige Umstellung. Stattdessen kann auch bei der Konvertierung ein Referenzmerkmal ausgewählt/angelegt werden oder ein Feld verwendet werden. Der Einsatz dieser Alternative bedingt jedoch stets angemessene Vorsicht. 

2. Cubes und DSOs können bereits sehr gut in ADSOs konvertiert werden. Alle Daten, Delta-Informationen und Monitor-Einträge bleiben erhalten. Auch die Geschwindigkeit der Konvertierung ist hier positiv hervorzuheben. SPOs funktionieren seit Version 1.6 – allerdings immer noch mit kleineren Einschränkungen. Diesbezüglich werden die nächsten Versionen wohl noch Verbesserungen bringen. 

Fazit

Per In-Place Conversion lässt sich ein bestehendes BW-System sehr gut in Richtung BW/4HANA bringen. Dieser Ansatz ist aber kein Wundermittel, das alle nötigen Konvertierungen vollautomatisch und ohne entsprechende Vorbereitung vornehmen kann: Ein gewisser manueller Aufwand ist immer erforderlich – aber natürlich andererseits auch möglichst gering zu halten. Hierbei helfen u. a. folgende Massnahmen: 

  • Erste Versuche auf einer Sandbox starten. So können grössere Probleme erkannt werden, bevor sie das Entwicklungssystem negativ beeinträchtigen. 
  • Die Schwachstellen des Tools kennen und wissen, wie damit umgegangen werden kann. 
  • Strukturiert vorgehen: Notwendige Schritte und Verantwortlichkeiten klar festlegen. Bestehende Objekte nicht auf einmal, sondern in sinnvollen Abschnitten konvertieren – dabei Abhängigkeiten exakt analysieren und Transporte entsprechend detailliert abstimmen. 
  • Systeme sauber halten: Je weniger inaktive, redundante oder lokale Objekte auf den Systemen, desto weniger Stolpersteine für die Konvertierung. 

Sie wünschen weitere Informationen zum zukunftsweisenden Umstieg auf SAP BW/4HANA? Dann freuen wir uns, Ihnen die Möglichkeiten persönlich im Detail vorzustellen. Nehmen Sie hierfür einfach Kontakt mit uns auf!

Autoren: Simon Rösch, Paul Vatter

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2018-08-21T11:30:29+00:00August 17th, 2018|0 Comments

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