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Corporate Carbon Footprint & Product Carbon Footprint

Was ist der Corporate Carbon Footprint und was ist der Product Carbon Footprint? Welche Rolle spielen dabei das Drei-Säulen-Modell, Scope 1, Scope 2 und Scope 3 sowie die ISO 14064-1 sowie das GHG-Protokoll? Diese Fragen beantwortet dieser Wissensartikel.

1. Warum ist es wichtig, den Corporate/Product Carbon Footprint zu kennen?

Eine wichtige Rolle für eine nachhaltigere Zukunft spielen vor allem die Instrumente des Nachhaltigkeitsberichtswesen, die Unternehmen dabei helfen, nachhaltiger zu handeln und zu wirtschaften. Als solche Instrumente gelten der Corporate Carbon Footprint sowie der Product Carbon Footprint.

Die Grundvoraussetzung für eine Reduzierung der CO₂-Emissionen ist deren Messung. Viele Unternehmen, darunter auch die SAP, bieten für diese wichtige Aufgabe Softwarelösungen an. Diese Softwarelösungen sollen es Unternehmen ermöglichen, den CO₂-Fussabdruck des gesamten Werkes oder Unternehmens, aber vor allem auch den CO₂-Fussabdruck einzelner Produkte zu berechnen und zu messen. Doch um solche ganzheitlichen Lösungen anbieten zu können, ist es wichtig zu wissen, wo welche Herausforderung liegen. Das Fundament einer Softwarelösung für die Reduktion des CO₂-Fussabdrucks sind die Daten, die für die Messung relevant sind. Die folgende Grafik verdeutlicht, welche Folgen es hat, wenn die nötigen Daten nicht vorhanden sind.

Herausforderung im Corporate bon Footprinting (openSAP, 2020a, 6 7)
Herausforderungen des Corporate Carbon Footprintings (openSAP, 2020)

Die Grafik zeigt, dass sich ohne die benötigten Daten keine Berechnungen oder Kontrollmaßnahmen durchführen lassen. Wenn die benötigten KPIs nicht definiert sind und keine Daten zur Verfügung stehen, ist es nicht möglich, den Carbon Footprint korrekt zu berechnen und somit auch keine Nachhaltigkeitsmaßnahmen und -erkenntnisse abzuleiten. Die größte Herausforderung und wichtigste Aufgabe besteht also darin, eine große Menge an passenden Daten zu sammeln und auszuwerten. 

2. Grundlagen des Corporate Carbon Footprints

2.1. Drei-Säulen-Modell

Der Carbon Footprint lässt sich dem Bereich des Nachhaltigkeits-Reportings zuordnen. Dieses setzt sich aus den folgenden drei Säulen des Nachhaltigkeits-Reportings zusammen:

  1. Ökonomie,
  2. Ökologie und
  3. Soziales.

Dieses Konzept ist auch noch als das sogenannte Drei-Säulen-Modell bekannt (englisch: Tripple Bottom Line). 

Da alle dieser Dimensionen mit den zu hohen Kohlendioxidwerten und der daraus resultierenden globalen Erwärmung in Verbindung gebracht werden können, ist jede einzelne für das Nachhaltigkeits-Reporting relevant. Fügt man jetzt die Dimension des CO₂-Fussabdrucks hinzu, kann das bisherige Modell um den zentralen Punkt erweitert werden: den CO₂-Wert, der als Schnittpunkt aller drei Säulen der Nachhaltigkeit fungiert (openSAP, 2020, S. 12).

Drei-Säulen Modell der Nachhaltigkeit

2.2. Greenhouse Gases, CO₂ und CO₂-Äquivalente

Es wird zwischen Greenhouse Gases (GHG¦ deutsch: Treibhausgase (THG)) und Kohlendioxid unterschieden. Alle Gase, die in der Atmosphäre für die Erderwärmung und somit den Klimawandel verantwortlich sind, da sie Infrarotstrahlung von der Sonne absorbieren, werden als Treibhausgase bezeichnet. Kohlendioxid (CO2) ist dabei das am wichtigste Treibhausgas, gefolgt von Methan (CH4).

Alle Treibhausgase können umgerechnet und in CO₂-Äquivalenten entsprechend ihrem globalen Global Warming Potential (GWP, deutsch: Erwärmungspotenzial ) ausgedrückt werden, abgekürzt als „CO₂e“ (openSAP, 2020, S. 12).

2.3. Definition Product Carbon Footprint und Corporate Carbon Footprint

Wie schon von den jeweiligen Namen angedeutet, misst der Product Carbon Footprint den CO₂-Fussabdruck eines Produktes und der Corporate Carbon Footprint den CO₂-Fussabdruck einer Organisation.

Der Product Carbon Fooprint misst, wie viel CO₂-Äquivalente im Lebenszyklus eines Produktes verursacht wurden. 

Der Corporate Carbon Footprint ist dann die Aufsummierung aller Product Carbon Footprints und den zusätzlichen CO₂-Emissionen einer Organisation.

2.4. Benchmarks Corporate Carbon Footprint

Laut einem Bericht der gemeinnützigen Klimaschutzorganisation Carbon Disclosure Project (CDP) in Zusammenarbeit mit dem Climate Accountability Institute sind etwa 100 Unternehmen für 71 % der weltweiten Emissionen verantwortlich (Paul Griffin, 2017, S. 8). Dies unterstreicht die Dringlichkeit der Verfolgung und Überwachung von CO₂e-Emissionen, insbesondere für Unternehmen.

2.5. Scope 1, Scope 2 und Scope 3

Um zu verstehen, wie der CO₂-Fussabdruck berechnet werden kann, muss zunächst analysiert werden, wo in der Wertschöpfungskette CO2 emittiert wird.
Die folgende Grafik gibt einen Überblick über die Treibhausgase entlang der Wertschöpfungskette (openSAP, 2020, S. 16):

Scope 1, Scope 2 und Scope 3 anhand der Wertschöpfungskette einer Organisation
Scope 1, Scope 2 und Scope 3 anhand der Wertschöpfungskette einer Organisation

Der CO₂-Fussabdruck eines Produkts beinhaltet in …

Scope 1: die direkten GHG Emissionen der eigenen Ressourcen (wie z. B. Verbrennung von Brennstoffen in Kesseln, Öfen und Fahrzeugen, die bei der Produktion des Produktes stattfinden)

Scope 2: die indirekten Emissionen wie z. B. Strom und Rohstofflieferungen.

Scope 3: alle anderen indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen, wie z. B. Emissionen nach dem Produktkauf: die Verarbeitung, Verwendung und das Recycling Ende des Produktlebenszyklus.

Optimalerweise wird auch die Scope 3 Emissionen einbezogen, auch wenn der CO2e meist nur aus Annahmen besteht, da die Emissionen während der Nutzung nicht genau berechnet werden können.

2.6. Primäre und sekundäre GHG-Daten sowie deren Ziele

Stellt man sich die Datenmenge vor, die für die Berechnung des CO₂-Fussabdrucks benötigt wird, so mögen die Daten eines kleinen Produktionsunternehmens überschaubar sein. Denkt man jedoch an ein großes internationales Unternehmen mit mehreren Tochtergesellschaften und Zulieferern, so ist die Datenerstellung sehr zeitaufwändig. Zu diesem Zweck müssen zwei Arten von Daten generiert werden: Primär- und Sekundärdaten.

Primäre und sekundäre Daten bei der Berechnung des Corporate Carbon Footprints

Primärdaten werden direkt vom Unternehmen und den Zulieferern erzeugt und übermittelt.  Sekundärdaten werden auf Basis von wissenschaftlichen Daten und Annahmen generiert.

Was die Datenqualität betrifft, so sollte der Hauptteil der gesammelten Daten aus Primärdaten bestehen (ClimatePartner, 2021, S. 20). Mit diesen Daten kann dann entweder der Corporate Carbon Footprint oder der produktspezifische CO₂-Fussabdruck berechnet werden.

Sind die Ziele z. B. die Klimaneutralität für die gesamte Produktpalette zu erreichen und das CO₂-Einsparpotenzial auf der Ebene des gesamten Unternehmens zu ermitteln, empfiehlt sich die Berechnung des Corporate Carbon Footprints unter Berücksichtigung von Scope 1 bis 3 (Abbildung 8). Ist ein Unternehmen dagegen daran interessiert, Klimaneutralität auf Produktebene zu erreichen, sollte der Product Carbon Footprint berechnet werden (ClimatePartner, 2021, S. 18).

2.7. Normen & Vorschriften für Product / Corporate Carbon Footprinting

Es gibt bereits verschiedene Standards und Normen, die vorschreiben, wie Umweltauswirkungen und Treibhausgasemissionen berechnet werden sollen.

2.7.1 Corporate Carbon Footprinting

Die methodischen Anforderungen für Corporate Carbon Footprints sind beispielsweise in der ISO 14064-1 und dem „Corporate Accounting and Reporting Standard“ festgelegt. Das GHG-Protokoll bietet detailliertere methodische Papiere, die beschreiben, wie die Berechnungen für einzelne Bereiche konkret durchgeführt werden können. Im Gegensatz zu den oben genannten Standards ist es nicht möglich, die Einhaltung des GHG-Protokolls zu überprüfen.

Übersicht über die verschiedene internationalen Standards und Richtlinien der Berechnung des Corporate Carbon Footrpints

2.7.2. Product Carbon Footprinting

Im Gegensatz zum Corporate Carbon Footprint sind die einzigen Regeln zur Berechnung der CO₂-Emissionen von Produkten entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der britischen Norm „PAS 2050“ festgelegt. Für Deutschland ist diese Norm jedoch nicht verbindlich. Als Orientierungshilfe für die Berechnung des Product Carbon Footprints kann die ISO 14040 dienen.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es derzeit keine konkreten Standards zur Berechnung von Product Carbon Footprints gibt, weshalb im folgenden Wissensartikel „Wie berechne ich einen Carbon Footprint?“ ein vereinfachter und komprimierter Ansatz zur Berechnung des Product Carbon Footprints vorgestellt wird (Hottenroth et al., 2013; Öko-Institut e.V. & IFEU-Institut e.V., 2012, S. 4-7).

Quellenverzeichnis

ClimatePartner (2021). Deep Dive: Product Carbon Footprint: How to measure, reduce and offset the emissions of your products. https://www.climatepart-ner.com/sites/default/files/2021-08/ClimatePart-ner%20Deep%20Dive%20PCF%20EN.pdf

Hottenroth, H., Joa, B., Schmidt, M., & Insitut für Industrial Ecology (2013). Carbon Footprint für Produkte: Handbuch für die betriebliche Praxis kleiner und mittlerer Unternehmen. https://www.hs-pforzheim.de/fileadmin/user_upload/uploads_re-dakteur/Forschung/INEC/Dokumente/Hottenroth_et_al_Carbon_Foot-prints_fuer_Produkte_web.pdf

openSAP (2020). SAP as an Enabler for Climate Action. https://s3.xopic.de/opensap-public/courses/5CEI321bEUzrwK-erEcsblf/rtfiles/6YFvJ5be5jTP4OTdZ7VALa/open-SAP_clim1_Week_2_All_Slides.pdf

Öko-Institut e.V. & IFEU-Institut e.V. (2012). Carbon Footprint – Teilgutachten „Moni-toring für den CO2-Ausstoß in der Logistikkette“. https://www.umweltbundes-amt.de/sites/default/files/medien/461/publikationen/4306.pdf

Paul Griffin (2017). The Carbon Majors Database: CDP Carbon Majors Report 2017. CDP Driving Sustainable Economies. https://b8f65cb373b1b7b15feb-XIIc70d8ead6ced550b4d987d7c03fcdd1d.ssl.cf3.rackcdn.com/cms/reports/docu-ments/000/002/327/original/Carbon-Majors-Report-2017.pdf

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