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Data-as-a-Product in der SAP Datasphere: Die Rolle von Data Providern, ihren Data Products und dem Data Marketplace

Die Rolle von Data Providern, ihren Data Products und dem Data Marketplace Visual

Wie können Unternehmen ihre Daten in Produkte, die von anderen genutzt und wiederverwendet werden können, verwandeln? 
Die SAP Datasphere bietet mit dem Data-as-a-Product-Ansatz ein innovatives Konzept zur Organisation und Nutzung von Data Products. 
Dabei können Daten in strukturierte, wiederverwendbare Data Products verpackt werden. Diese Data Products können von Data Providern bereitgestellt, über einen Data Marketplace veröffentlicht und von Nutzern bedarfsgerecht konsumiert werden. 
In diesem Artikel geht es um die Funktionsweise und die Umsetzung des Data-as-a-Product-Konzepts innerhalb der SAP Datasphere.

Inhaltsverzeichnis

1. Data Provider

Hierbei spielt der Data Provider als Anbieter der Data Products eine zentrale Rolle. Nur DSP-User, die als sogenannte Data Provider auftreten, sind berechtigt, Data Products bereitzustellen und zu veröffentlichen. 
Neben einer gültigen Datasphere Lizenz benötigt ein Nutzer hierzu noch ein eigenes Data Provider-Profil, das ihm diese Rolle sowie die damit verbundenen Möglichkeiten eröffnet. 
Danach kann der Data Provider seine Data Products erstellen, deren Zugriff verwalten und durch die gezielte Veröffentlichung von Releases kontinuierliche Aktualisierungen bereitstellen. Diese Schritte sind in der folgenden Grafik veranschaulicht. 

Abbildung 1: Schritte eines Data Provider zur Erstellung eines Data Products

Im weiteren Verlauf des Artikels werden diese Prozessschritte anhand des Data Products Sales Orders Insights beschrieben. 
Dieses Data Product enthält Daten für die Analyse von Verkaufsbestellungen mit detaillierten Einblicken in die Bestellhistorie. Dies kann Unternehmen bei der Umsatzprognose und der Optimierung von Lieferkettenprozessen unterstützen.

Data Provider-Profil

Im Kontext der SAP Datasphere stellt ein Data Provider eine Person oder ein Unternehmen dar, welches Data Products definiert und über den Data Marketplace veröffentlicht (s. Abb. 2). 
Durch eine gezielte Steuerung von sogenannten Kontexten und Lizenzen kann der Data Provider definieren, für wen die veröffentlichten Data Products sichtbar sind und wer sie konsumieren darf. Damit kann der Data Provider eine kontrollierte und sichere Verteilung seiner Data Products gewährleisten. 
Ein Data Provider greift auf die Data Products im Gegensatz zu einem Data Consumer nicht über den Data Marketplace zu, sondern administriert, veröffentlicht und verwaltet sie über das Data Sharing Cockpit.

Abbildung 2: Data Provider, Data Product und Data Consumer
Pflege des data providers profils
Abbildung 3: Pflege des Data Provider Profil

Wie in Abbildung drei zu sehen, werden neben der Pflege der Stammdaten des jeweiligen Data Provider im Data Provider-Profil auch die Marketplace Visibility und die Übertragungstypen des Datenversand eingeschränkt. 
Die Marketplace Visibility bestimmt, ob der Data Provider im Allgemeinen auf öffentlichen, privaten oder internen Data Marketplaces veröffentlichen darf. Weiterführende Details hierzu befinden sich im Abschnitt Marketplace. 

Beim Datenversand via Open SQL muss der Nutzer ein Open-SQL-Schema bereitstellen. Nach der Aktivierung steht das bereitgestellte Schema im Data Builder als Datenquelle zur Verfügung und kann dort verwendet werden.  
Externe Lieferung bezeichnet die Bereitstellung von Dateien, beispielsweise im .csv-Format, zur Nutzung ausserhalb der SAP Datasphere. Im gezeigten Beispiel beschränkt sich der Data Provider „s-peers DP“ jedoch auf die Datenübertragung: Integrierte Lieferung (Integrated Delivery).  

Bei der Auswahl der Datenübertragung: Integrierte Lieferung kann ein Data Consumer, sofern dieser über die nötige Lizenz für dieses Data Product berechtigt ist, die Artefakte in den von ihm ausgewählten Space importieren. 
Anschliessend hat er lesenden Zugriff auf die View und kann sie beispielsweise als Source für ein Analytical Model nutzen. 
Im Gegensatz zu gängigen Methoden des Datenaustauschs, wie etwa über Flat Files, APIs und Dashboard-Exporte, ermöglicht dieser Ansatz eine Integration von Daten in DSP-Modelle, ohne dass eine andere Schnittstelle notwendig ist. 
Zusätzlich zu diesen Informationen bietet das Profil des Data Providers, auch eine Übersicht der bisher veröffentlichten Data Products (s. Abb. 4).

Ansicht eines data provider profils
Abbildung 4: Ansicht eines Data Provider Profils

2. Data Product

In der SAP Datasphere sind Data Products gebündelte, wiederverwendbare Dateneinheiten, die von einem Data Provider definiert, veröffentlicht und von anderen DSP-Nutzern konsumiert werden können. 
Über den Bereich „My Data Product“ im Data Sharing Cockpit kann ein Data Provider seine Data Products definieren. 
Neben beschreibenden Metadaten können je nach Konfiguration ebenso DSP-Spaces, Data Product-Artefakte und auf diese Artefakte anzuwendende Filter definiert werden.  
Derzeit können für ein Data Product ausschliesslich Views als Artefakte genutzt werden. Bei der Datenübertragung mit integrierter Lieferung muss zusätzlich zwischen den Liefermodi unterschieden werden. Im Beispiel (s. Abb. 5) wurde der Live-Zugriff gewählt: Anstelle einer Replikation werden die Daten hierbei direkt innerhalb desselben Tenants geteilt. Änderungen sind sofort sichtbar, da die Views direkt im Ziel-Space erscheinen. Dieser Modus stellt sicher, dass die Daten stets aktuell bleiben. Ein Data Product besitzt keinen eigenen Sichtbarkeitsbereich. Um die Sichtbarkeit für potenzielle Data Consumer festzulegen, werden sogenannte „Kontexte“ (Contexts) genutzt. Da für jedes Data Product eine Sichtbarkeit definiert sein muss, ist die Zuordnung eines Contexts bei der Erstellung eines Data Products verpflichtend. Diese Kontexte sind vom Data Provider definierte Arbeitsbereiche, die flexibel mit einem oder mehreren Data Products verknüpft werden können. Sie ermöglichen eine anpassbare Zugriffssteuerung auf Data Products im nicht öffentlichen Marketplace, in welchem Benutzer und Benutzergruppen bedarfsgerecht hinzugefügt, angepasst oder entfernt werden können. 

Nach der Veröffentlichung können Data Provider und Data Products von Nutzern im Datasphere Data Catalog  gesucht und gefunden werden, sofern diese innerhalb des für sie freigegebenen Sichtbarkeitsbereichs liegen. 
Leider ist im Data Catalog derzeit eine Verknüpfung mit Metadaten (-Objekten) wie KPIs oder Terms, wie es bei Assets möglich ist, noch nicht umsetzbar. SAP plant, diese Funktionalität im Release für das vierte Quartal 2025 einzuführen. 
Eine umfassende Erläuterung zu Assets, KPIs, Terms und der Pflege von Metadaten im Data Catalog sowie deren Verknüpfungsmöglichkeiten wird im folgenden Artikel behandelt: Von Ordnung zu Mehrwert
 

Im weiteren Verlauf dieses Artikels liegt der Schwerpunkt jedoch auf dem Data Marketplace, in dem potenzielle Data Consumer gezielt nach Data Products und Data Providern suchen und diese einsehen können. 

Übersicht data product
Abbildung 5: Übersicht Data Product

3. Veröffentlichung im Data Marketplace

Die Sichtbarkeit definiert für welche DSP-User ein Data Product sichtbar ist. Bei dieser Sichtbarkeit unterscheidet man bei der Veröffentlichung eines Data Products hauptsächlich zwischen Public Marketplace, Private Marketplace und Intern Marketplace.  
Diese drei Arten von Marketplaces sind nicht als separate Plattformen zu verstehen, sondern beziehen sich auf die gerade beschriebene Sichtbarkeit der Data Provider und Data Products für potenzielle Data Consumers. Sobald der Data Provider sein Data Product vollständig definiert hat, kann er dieses über den Button „List“ veröffentlichen. 
Anschliessend ist das veröffentlichte Data Product für die DSP-User, für die der jeweilige Data Marketplace sichtbar ist, auffindbar. 
Um welche Art von Data Marketplace es sich handelt und wer Zugriff auf die Data Products hat, wird über die Contexts gesteuert. 
 

Public Data Marketplace

Data Products, die über die Option Public Data Marketplace gelistet werden, sind für alle DSP-Instanzen auf der SAP Business Technology Platform (BTP), die als zentrale Cloud-Umgebung für die Entwicklung, Integration und Verwaltung von Anwendungen dient, sichtbar.  Der Context Public Marketplace ist standardmässig jedem Benutzer des Data Marketplace zugewiesen und kann nicht verlassen werden.  Jeder Benutzer einer DSP hat die Möglichkeit die Data Products zu finden und je nach Lizenz zu importieren.

Private Data Marketplace

Bei der Option Private Data Marketplace ist die Sichtbarkeit der Data Products nach der Veröffentlichung auf eingeladene Nutzer beschränkt. Die Einladung erfolgt über Activation Keys, mit welchem ein Nutzer seinen Zugang zum Data Marketplace aktivieren kann.

Internal Data Marketplace

Mit der Option „Internal Data Marketplace“ wird die Sichtbarkeit der veröffentlichten Data Products auf Mitglieder spezifischer Tenants, die im Context vom Data Provider definiert werden können, beschränkt.  Ein gutes Beispiel dafür ist der Datenaustausch zwischen Abteilungen, Fachbereichen oder Tochtergesellschaften, die jeweils unterschiedliche DSP-Tenants nutzen.

Contexts ermöglichen Data Providern, private und interne Marktplätze gezielt zu steuern und die Sichtbarkeit von Data Products für bestimmte Benutzer oder Benutzergruppen festzulegen. Wenn ein Benutzer einem Context, der ein bestimmtes Data Product enthält, zugeordnet wird, ist dieses Data Product für ihn zusammen mit den Metadaten im Data Marketplace sichtbar. Um das Data Product tatsächlich konsumieren zu können, benötigt er zusätzlich noch die zum Data Product passende Lizenz. 

Der Data Provider kann Aktivierungsschlüssel generieren und versenden, um Nutzer in einen bestimmten Context einzuladen. Im Bereich „Data Marketplace – My Context“ kann der Data Consumer diese Schlüssel aktivieren und seine Zugehörigkeit zu verschiedenen Contexts verwalten. Mit dem Beitritt zu einem Context erhält der Nutzer Zugriff auf die dort veröffentlichten Data Products. 

Für einen Context kann eine Vielzahl von Aktivierungsschlüssel erstellt werden und jeder Empfänger kann mehrere Aktivierungsschlüssel für verschiedene Contexts aktivieren. 

Im unten dargestellten Beispiel (s. Abb. 6) wurde der Context „Finanzberichterstattung“ als Private Data Marketplace mit einer Gültigkeit bis zum 31.12.2024 erstellt. Für diesen Context wurden zwei Aktivierungsschlüssel für Data Provider und zwei für Mitglieder generiert und versendet, wobei bislang nur ein Member Activation Key aktiviert wurde. Ein Member Activation Key gibt dem Empfänger Zugang zum Marketplace als Mitglied, wodurch der Marketplace für ihn sichtbar wird. Ein Data Provider Activation Key hingegen gewährt dem Eingeladenen nicht nur Zugang zum Marketplace, sondern auch die Berechtigung, als Data Provider im Context agieren und eigene Data Products im Context veröffentlichen zu können. Die Aktivierung von Data Provider Activation Keys erfolgt dabei nicht über „Data Marketplace – My Context“, sondern im „Data Sharing Cockpit – Context Management“. 

Sowohl der Data Provider, der den Context erstellt und Nutzer eingeladen hat, als auch der Nutzer selbst, können unabhängig voneinander bestimmen, dass dieser Nutzer den Context wieder verlässt. Diese Vorgänge sind im „Context Management“ dokumentiert und – wie im Screenshot dargestellt – für den Data Provider transparent nachvollziehbar. 

data sharing cockpit context management
Abbildung 6: Data Sharing Cockpit – Context Management (aus Sicht eines Data Providers)

In der Rolle des Data Consumers gelangt der DSP-User über die Navigation auf der linken Seite (s. Abb. 7) zum Data Marketplace und kann dort die Freitextsuche nutzen sowie Filter wie Data Category, Delivery Pattern (Release-Zyklus) oder Regional Coverage anwenden

suche nach data product im data marketplace
Abbildung 7: Suche nach Data Product im Data Marketplace (aus Sicht eines Data Consumers)

Im Gegensatz zum Data Consumer, der den Data Marketplace – wie im obigen Screenshot dargestellt – über das Data Marketplace-Menü erreicht, findet der Data Provider seinen zentralen Zugang zur Verwaltung seiner Data Products im Data Sharing Cockpit. 

In diesem Bereich kann der Data Provider seine veröffentlichten Data Products einsehen, den Status überwachen sowie weitere Anpassungen vornehmen. 
Ausserdem kann er nachvollziehen, wie viele Nutzer ein bestimmtes Data Product angesehen oder installiert haben.  
In welche nachfolgenden Spaces das Data Product repliziert wurde, kann der Data Provider mithilfe der Lineage- und Impact-Analyse nachvollziehen, vorausgesetzt die Datenübertragung „Integrierte Lieferung“ (Integrated Delivery) wurde gewählt. 
Aktuell gibt es noch keine Möglichkeit, den Data Provider in der DSP-Oberfläche automatisch per Notification über relevante Ereignisse im Zusammenhang mit seinem Data Product zu informieren. 
Der folgende Screenshot (s. Abb. 8) zeigt den Data Marketplace aus der Rolle des Data Providers: die Landing Page des Data Sharing Cockpits. 

Data sharing cockpit
Abbildung 8: Data Sharing Cockpit (Sicht eines Data Providers)

4. Zugriffe steuern

Während ein Context die Sichtbarkeit der Data Products regelt, benötigt ein Nutzer zusätzlich die nötige Lizenz, um es konsumieren zu können.

Abbildung 9: Data Sharing Cockpit - Licence Management (Sicht eines Data Providers)

Ähnlich wie bei Contexts werden Vergabe, Nutzung und Löschung von Lizenzen sowie deren Aktivierungsschlüssel für den Data Provider im Data Sharing Cockpit dokumentiert, wie in Abbildung 9 dargestellt. Eine Lizenz kann dabei mehrere Data Products umfassen. Ebenso kann ein Data Product verschiedenen Lizenzen zugeordnet werden. 

5. Aktualisierungen des Products Releases

Die Veröffentlichungsverwaltung im Data Marketplace ermöglicht kontrollierte Datenaktualisierungen über das Data Sharing Cockpit durch die Erstellung neuer Releases für ein Data Product. 
Die Releases werden in einer Tabelle, in der Nutzer mithilfe interaktiver Filter gezielt Informationen wie Download-Verlauf und Veröffentlichungsstatus einsehen können, gelistet dargestellt.

6. Fazit

Zusammenfassend bietet die SAP Datasphere mit den Konzepten der Data Provider, Data Products und dem Data Marketplace einen interessanten Ansatz, um Daten als strukturierte Data Products innerhalb der Plattform bereitzustellen und zu nutzen. Das Data-as-a-Product-Modell fördert eine dezentrale Verantwortung und Verwaltung der Daten und ermöglicht eine unkomplizierte Integration, ohne dass für den Konsum der Daten eine tiefgehende Kenntnis des zugrunde liegenden Datenmodells erforderlich ist.

 
Das Modell ist insbesondere relevant für Unternehmen, die ihre Datenstrategie auf Self-Service-Ansätze ausrichten und die zentrale IT entlasten möchten. 
Nutzer können gezielt an bestimmten Data Products arbeiten oder diese konsumieren, ohne dabei komplexe Zugriffskontrollen oder langwierige Genehmigungsprozesse durchlaufen zu müssen. Dabei entfällt – je nach gewählter Datenübertragung – die Notwendigkeit zusätzlicher Schnittstellen innerhalb desselben Systems.

 
Vergleicht man Data Products mit konventionellen Views und Zugriffsberechtigungen, zeigt sich eine starke Ähnlichkeit in der grundlegenden Funktionalität: Beide Ansätze regeln den Zugriff auf Daten und deren Nutzung. Allerdings bietet der Data Marketplace eine Erweiterung, da er eine Pull-basierte Datenbereitstellung ermöglicht. Statt dass ein Data Provider die Daten aktiv an spezifische Nutzer freigeben muss, können diese selbstständig nach relevanten Data Products suchen, sie anfragen und konsumieren. Während traditionelle Ansätze oft auf vordefinierte Berechtigungen und manuelle Freigabeprozesse setzen, unterstützt der Marketplace eine dezentralere und flexiblere Verwaltung der Datenzugriffe. 

Das Konzept wirkt in seiner aktuellen Umsetzung noch nicht vollständig ausgereift, insbesondere wenn man den Mehrwert im Vergleich zur bisherigen Share-Funktion innerhalb der DSP-Modellierung betrachtet. Verbesserungen könnten durch Erweiterungen erreicht werden, wie zum Beispiel die Möglichkeit, Metadatenobjekte direkt mit Data Products zu verknüpfen – ähnlich wie es bereits bei Assets der Fall ist. Auch die Integration weiterer DSP-Artefakte, wie etwa Analytical Models, könnte den praktischen Nutzen von Data Products deutlich erhöhen. Es bleibt spannend, wie diese Ansätze in zukünftigen Entwicklungsphasen umgesetzt und weiterentwickelt werden.

Mehr wissen?

Möchten Sie tiefer in das Thema Business Content in der SAP Datasphere eintauchen? Wir freuen uns, persönlich mit Ihnen über die Möglichkeiten und Anwendungspotenziale zu sprechen. 
Franziskus Heep-
Franziskus Heep
Professional Analytics Consultant

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Franziskus Heep

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