Home Data Warehousing Über eine Brücke musst Du gehen: Funktionen und Überblick der SAP BW Bridge

Über eine Brücke musst Du gehen: Funktionen und Überblick der SAP BW Bridge

Die BW Bridge wird von der SAP als Möglichkeit präsentiert, ein System aus einer klassischen on-premise Umgebung in die SAP Data Warehouse Cloud zu transferieren. Dieses Interview wurde von Daniel Moser (Senior Account Manager, s-peers AG) mit Eugen Gering (Data Warehousing Experte, s-peers AG) geführt und beleuchtet mit den folgenden sieben Fragen die Funktionen der SAP BW Bridge, ihre Architektur sowie ihre Vor- und Nachteile.

Inhaltsverzeichnis

Interview-Intro

Hallo Eugen, erst einmal vielen Dank, dass Du mir für dieses Interview zur Verfügung stehst. Du bist bei der s-peers AG Experte im Bereich Data Warehousing und insbesondere für die BW Bridge. Die BW Bridge gibt es nun fast ein Jahr und es hat sich einiges in der Produktentwicklung der BW Bridge getan. Das möchte ich zum Anlass nehmen, Dir sieben Fragen zur BW Bridge zu stellen, sodass durch die BW „Alt“ zu „Neu“ gemacht werden kann. Damit jeder denselben Wissensstand zur BW Bridge hat, möchte ich Dir als Erstes eine Verständnisfrage zur BW Bridge stellen:

Frage 1: Was ist die BW Bridge?

Die im November 2021 veröffentlichte BW Bridge ist eine Funktionserweiterung der SAP Data Warehouse Cloud (DWC), welche bislang nicht mit alten Entwicklungen aus dem klassischen BW-System kompatibel war. Zwar bietet die DWC mit dem sogenannten BW/4HANA Model Transfer die Option, auf Basis von Queries die semantische Schicht in die DWC zu transferieren und im hybriden Einsatz beider Systeme zu nutzen. Allerdings war es bislang nicht möglich, persistierende Objekte und Transformations-Logiken speziell mit kundeneigenen ABAP-Routinen in die DWC zu überführen und diese unabhängig vom on-premise System zu nutzen.  

Dies wird nun mit der BW Bridge möglich!

Wie bereits aus der klassischen on-premise BW-Welt bekannt sein dürfte, dient auch bei der BW Bridge Eclipse als Entwicklungsumgebung, in welcher man klassische BW-Objekte wie DataStore-Objekte (advanced), Transformationen, DataSources, Prozessketten, etc. erstellen kann. Entwicklungen mittels ABAP werden zudem ebenfalls ermöglicht.

Eine Auflistung weiterer wichtiger BW Bridge Features inklusive Erklärung liefert der folgende Wissensartikel hier.

 

Frage 2: Wie ist die BW Bridge aufgebaut?

Das User-Interface der BW Bridge besteht aus dem SAP BW Bridge Cockpit und dem ABAP Admin UI. In Eclipse kann mithilfe der Add-ons BW Modeling Tools und ABAP Development Tools entwickelt werden.

Auf der Abbildung unten ist ausserdem zu sehen, dass die BW Bridge als Datenquellen nur SAP-Produkte erlaubt, welche mittels ODP angebunden werden können. Nicht-SAP Systeme können weiterhin über die vielen Integrationsmöglichkeiten direkt in der DWC angebunden werden.

Die Verbindung zwischen der BW Bridge und der DWC findet dabei über ein separates Space statt, welches die Daten über die Share-Funktion mit anderen Spaces ermöglicht.

SAP BW Bridge Übersicht

Abbildung 1: User-Interface der BW Bridge, Quelle: Blog der SAP

Frage 3: Wie sieht der Weg über die BW Bridge in die SAP Data Warehouse Cloud aus?

 

SAP BW Bridge Umgebung

Abbildung 2: Der on-premise Weg der BW Bridge, Quelle: Blog der SAP

Mit der beschriebenen Funktionserweiterung bietet die BW Bridge zudem einen Weg vom on-premise System in die public Cloud. Bei der Konvertierung können dabei unter bestimmten Bedingungen bestehende Datenflüsse samt DataSource, Transformationen, ABAP-Code, InfoObjects, etc. übertragen werden. Queries werden dabei zwar übertragen, können jedoch nicht wie im klassischen BW-System ausgeführt oder als Quelle für andere Datenziele verwendet werden. Dies liegt am fehlenden Support für OLAP-Funktionalitäten.

Frage 4: Wie funktioniert die Konvertierung aus dem BW-System in die BW Bridge?

Die SAP bietet zwei verschiedene Konvertierungs-Tools, um BW-Objekte von einem on-premise System in die public Cloud der BW Bridge zu transferieren. Während mit der Shell Conversion die Daten nach der Konvertierung erneut beladen werden müssen, werden bei der Remote Conversion bestehende Daten gleich mit übertragen.

Shell Conversion

Bei der Shell Conversion werden die Metadaten der ausgewählten Objekte aus dem bestehenden on-premise System in die BW Bridge konvertiert. Es werden dabei keine Daten selbst, sondern lediglich die Definition der Objekte transferiert. Durch die Möglichkeit, in der BW Bridge mit ABAP zu entwickeln, kann bereits entwickelte ABAP-Logik in der DWC weiter genutzt werden.

Die Daten selbst können im Anschluss in der BW Bridge manuell aus dem ODP-Quellsystem geladen werden.

Remote Conversion

Die Remote Conversion überträgt neben den Metadaten der ausgewählten Objekte zusätzlich die bestehenden Daten. Dies bietet sich besonders bei Datenmodellen an, die keine historischen Daten aus dem Quellsystem erhalten können oder aus technischen Gründen nicht initialisiert werden können.  

Frage 5: Welche Herausforderungen gibt es bei der Implementierung?

Laut der SAP ist die BW Bridge der Weg von einem on-premise System in die Cloud. Die Nutzung der Funktionserweiterung ist allerdings von vielen Restriktionen geprägt.

So ist zum Beispiel die Kompatibilität stark eingeschränkt: Bei der Konvertierung ist zu beachten, dass keine Funktionsbausteine und keine klassischen Programme erstellt werden können, da die BW Bridge nur klassenbasierten Programmcode erlaubt.

Werden zudem Queries aus dem on-premise System übertragen, so können sie auf der BW Bridge nicht ausgeführt werden. Die Übertragung dieser Queries über den BW/4HANA Model Transfer ist mit dem heutigen Entwicklungsstand mit weiteren Restriktionen verbunden.

Als integrierter Bestandteil der SAP DWC nutzt die BW Bridge den Hauptspeicher der Cloud-Anwendung. Deshalb ist eine weitere Einschränkung bei der Nutzung der BW Bridge der begrenzte Speicherplatz, der im Vergleich zu einem on-premise System in der Regel wesentlich kleiner ist.

File-Schnittstellen oder Quellen, die über die HANA oder SDI/SDA angebunden sind, können nicht in die BW Bridge importiert werden.

In der BW Bridge existieren keinerlei OLAP-Funktionen, sodass beispielsweise Query als InfoProvider für weitere Datenziele nicht übertragen werden können.

HANA native Entwicklungen oder Mixed Modelling Szenarien, bspw. die Nutzung von HANA CalcualtionViews im BW System können nicht mittels Conversion Tools in die BW Bridge übertragen werden.

Bislang besteht ausserdem keine Möglichkeit, die SAP GUI der SAP Data Warehouse Cloud mit der BW Bridge zu verbinden.

Diese genannten Einschränkungen gelten für die im August 2022 aktuelle Version. Dabei ist zu beachten, dass das Produkt von der SAP stetig weiterentwickelt wird und sich diese Einschränkungen daher laufend verändern können.

Frage 6: Was sind Vorteile der BW Bridge?

Auch wenn sich die Konvertierung eines gesamten BW-Systems auf die BW Bridge durch die oben genannten zahlreichen Restriktionen als schwierig gestaltet, kann sie dennoch genutzt werden, um einzelne Teile aus einem on-premise System in die Cloud zu transferieren.

Bei der Konvertierung in das Cloud-System können unter anderem die folgenden Objekte, bekannt aus dem BW-System, übertragen werden:

  • Data Source (ODP)
  • InfoObject
  • Advanced Data Store Objects (ADSO)
  • Transformationen
  • Datentransferprozesse (DTP)
  • CompositeProvider
  • ABAP Extensions/Code
  • Quellsysteme (SAP)

In der Eclipse-Umgebung kann zudem ABAP-Code verwendet werden, was vorher in der DWC nicht möglich war.

Die Nutzung der BW Bridge ermöglicht es zudem, altbekannten Content der SAP zu aktivieren, um diesen dann in der DWC nutzen zu können. Dies ist insofern ein Vorteil, als der Content im BW-System in der Regel mächtiger ist, als der, der in der DWC angeboten wird. Durch die Möglichkeit zur Entwicklung mit ABAP kann ausserdem der Funktionsumfang in der DWC um diese Programmiersprache erweitert werden. Diese Punkte können zudem auch unabhängig von einem Transfer eines bestehenden on-premise Systems verwendet werden.

Frage 7: Wie innovativ ist die BW Bridge?

Als eines der neusten Features der SAP ist die BW Bridge definitiv innovativ, da sie die DWC mit klassischen BW-Objekten erweitert und zudem eine restriktive Migration von einem on-premise System ermöglicht. Bislang gibt es aufgrund dieser Restriktionen jedoch viele Herausforderungen bei dem Vorhaben, ein gesamtes BW-System in die BW Bridge zu übertragen.

Es ist allerdings zu erwarten, dass die SAP das Produkt in dieser Hinsicht stetig weiterentwickeln wird, sodass bestimmte Restriktionen in Zukunft entfallen dürften.

Beispielsweise wurde bereits angekündigt, dass es in Zukunft möglich sein könnte, DWC-Modelle wieder zurück in die BW Bridge zu übertragen.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Analyse Ihres derzeitigen on-premise Systems und erarbeiten mit Ihnen zusammen mögliche Use Cases, welche mit der BW Bridge und der DWC im nächsten Schritt implementiert werden können.

Kontakt: Mehr über die BW Bridge wissen?

Sie möchten tiefer in das Thema BW Bridge einsteigen oder die BW Bridge gemeinsam aktivieren? 

Ich freue mich, auf Ihre Kontaktaufnahme! 

Ihr Ansprechpartner für die BW Bridge
Daniel Moser
Daniel Moser
Senior Account Manager

Published by:

Daniel Moser

Senior Account Manager

autor:IN

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